höher - schneller - weiter

Wie viel Sport braucht der Mensch?

Gibt es eine allgemeingültige Regel? Oft liest und hört man von der Regel 2-3 x in der Woche für etwa 45 min Sport zu machen.

höher - schneller - weiterDa es viele Möglichkeiten gibt sich sportlich zu betätigen, kann diese Regel meines Erachtens nicht greifen. Sie können Schwimmen und Fußballspielen nicht gleichstellen, selbiges gilt für das Laufen als Ausdauersport und Krafttraining. Schauen wir noch genauer hin, dann gelten beim Ausdauersport je nach Zielstellung des Sports unterschiedliche Kriterien. Wer sich auf einen Marathon vorbereitet benötigt im Wochenschnitt viel mehr Kilometer und damit Trainingszeit als jemand der das Laufen als Ausgleichsport zum Büroarbeitsalltag betreibt.

Das bedeutet, die Fragestellung muss präzisiert werden.

Fangen wir damit an und versuchen den Begriff Sport einmal zu definieren. Das Ganze geht auch ohne Wikipedia.

In meinen Augen zeichnet sich eine sportliche Betätigung dadurch aus, dass sie erstens, einhergeht mit körperlicher Belastung und zweitens, ein konkretes Ziel verfolgt. Ob sie nun eine Latte überspringen wollen, einen Gegner im Ringen besiegen oder den Ball ins Netz bugsieren wollen, all diesen körperlichen Betätigungen liegt zugrunde, dass sie ihren Körper benutzen um ein Ziel zu verfolgen.

Diese Zielgerichtetheit hat in unserer westlichen Kultur einen relativ neuen und weiteren Aspekt hinzubekommen. Mittlerweile geht es beim Sport um viel mehr. Das Ziel ursprünglich der Schnellste sein zu wollen, bekommt durch die Vermarktung des Sportes als multimediales Ereignis einen extrem hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Heutzutage ist manchmal nur noch der Sieger eine Schlagzeile wert, doch dass ist ein anderes Thema.

Bleiben wir bei der Zielgerichtetheit und verallgemeinern wir den Sportbegriff weiter. Wenn ich noch tiefer herangehen möchte, dann bleibt mir nichts anderes übrig als die körperliche Belastung, die den Sport auszeichnet als Bewegung aufzufassen. Im einfachsten Sinne dergestalt, dass an einem Punkt losgelaufen wird und das jeweilige Ziel schnellstmöglich erreicht werden soll.

Dabei ist die Orientierung immer die persönliche Leistungsfähigkeit. Wenn sie sich verbessern wollen, dann immer in Hinblick darauf, wo sie mit ihren Möglichkeiten gerade stehen. Doch selbst der Gedanke sich verbessern zu wollen ist schon hinderlich auf Dauer Spaß an der Bewegung zu finden. Dieser Leistungsgedanke ist ebenfalls ein Merkmal unserer kulturellen Prägung. In unserer Gesellschaft gilt der Leistungsgedanke bei fast allem was wir tun.

Doch bei der Bewegung läuft diese Überzeugung, sich immerzu verbessern zu müssen ins Leere. Letztlich bedeutet das für viele Menschen, so wie ich jetzt bin, bin ich nicht genug.

Sicher ist das eine ziemliche Zuspitzung, doch so erlebe ich täglich, seit vielen Jahren Kunden und Klienten.

Zurückkommend auf die Fragestellung: Wie viel Sport braucht der Mensch, möchte ich nun sagen eigentlich gar kein Sport.

Der Mensch braucht mehr Bewegung ohne gleich irgendein Ziel vor Augen zu haben. Viel wichtiger ist, dass sie Spaß bei der Sache empfinden.

Denn wenn wir ein wenig genauer hinsehen, dann kann man erkennen, woher der Sport ursprünglich kommt. Sport war früher Spiel. Die Menschen hatten einfach Spaß daran sich gemeinsam spielerisch zu bewegen, ob sie nun miteinander getanzt haben (bis in die Trance) oder ein Lederknäuel über den Acker trieben.

Zum Abschluss noch ein entwicklungsgeschichtlicher Ansatz zum Thema Bewegung. Da wir biologische Wesen sind und jede Bewegung Energie kostet, akzeptiert der Körper Bewegung nur in der Hoffnung, dass es im Gegenzug wiederum Energie einbringt. Kurzum die Bewegung diente dem Überleben und der Nahrungsbeschaffung oder auch der Verteidigung usw. und erst dann, wenn für das Überleben gesorgt war, gab es Raum für den Menschen sich weitere Betätigungsfelder wie das Spielen zu finden und in der Folge Sport zu machen.

Quintessenz: Finden Sie für sich eine körperliche Betätigung die Sie mit anderen machen können, tun Sie dass regelmäßig, nach Möglichkeit an der frischen Luft. Lassen Sie den Leistungsgedanken erst einmal weg und treiben sie keinen Sport wenn Sie in erster Linie abnehmen möchten. Denn Sie werden mit dem Sport auf jeden Fall wieder aufhören. Egal ob Sie erfolgreich abgenommen haben oder nicht. Doch dass ist ein neues Thema, auf das ich noch zurückkommen werde.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Bewegung. Denn dazu ist der Körper da – zum BEWEGEN und wenn Sie in Bewegung bleiben dann machen Sie Erfahrungen und das macht ein erfülltes Leben aus.

Je öfter umso besser !!

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